Klassische Gemeindearbeit muss sich komplett wandeln oder wird eingehen

Das liegt vor allem daran, dass gemeindliche Sozialisation im Kindesalter die Grundlage für nachhaltigen Gemeindeaufbau ist. Allerdings macht dies ein Manko der aktuellen Situation deutlich. Denn der Fokus dieses Gemeindeaufbaus beträgt 2-3 Generationen. So lässt sich unsere aktuelle Situation erklären: Es werden immer weniger Menschen, die sich aktiv am Gemeindeleben beteiligen. Und zwar nicht nur in realen Zahlen (das ist Angesicht des Rückganges der Bevölkerung sowieso klar), sondern eben auch im Verhältnis zu den Gemeindegliedern. Jetzt ist die Frage, warum ist das so?

Über viele Jahrzehnte (wenn nicht sogar 1-2 Jahrhunderte) hat die Kirche vor allem Kinder und Jugendliche und dann meist Menschen ab der Lebensmitte erreicht. Die Jüngeren waren aktiv in Kinder- und Jugendgruppen und wurden das eine oder andere Mal von den Großeltern mit in den Gottesdienst genommen. Menschen, die die aktive Familienphase verlassen haben oder das Arbeitsleben beendet hatten, trafen sich im Gottesdienst, zu Bibel- und Gesprächskreisen oder anderen Angeboten. Schon immer hatte die Kirche Schwierigkeiten Menschen im mittleren Lebensalter zu erreichen. In unserer heutigen Gesellschaft hat sich dieser Trend noch verstärkt, weil die Belastung im individuellen Arbeits- und Familienleben deutlich gestiegen ist.

Lange Zeit war es also so, dass die Gruppe der aktiven TeilnehmerInnen (und dazu zähle ich auch Gottesdienstbesucher_innen) relativ konstant war. Alte Menschen konnten irgendwann nicht mehr teilnehmen und/oder starben und immer wieder kamen neue Menschen aus der Lebensmitte nach. Sie hatten irgendwann in ihrem Leben erfahren, dass die Gemeinschaft der Christen in einer Gemeinde ihrem Leben Sinn gibt. Daran konnten sie sich erinnern und drauf zugreifen, als ihre Lebensphase dies zuließ.

Seid einigen Jahren beobachte ich nun den Trend, dass die Gruppe derer, die nachkommen, kleiner wird oder gar nicht mehr da ist. Warum ist das so, obwohl es doch überdurchschnittlich viele Ältere in unserer Gesellschaft gibt, die noch dazu immer gesünder leben und rüstiger sind als zu früheren Zeiten?

Die aktuelle Gruppe der 50-65-Jährigen, die in unsere klassischen Angebote „nachwachsen“ könnten, haben schlicht als Kinder in der Mehrheit keine gemeindliche Sozialisation erfahren. Warum sollte einem Menschen in der 2 Lebenshälfte plötzlich einfallen in einen Gemeindekreis oder den Gottesdienst zu gehen? Er/sie hat in ihrem Leben vorher nie erfahren, dass die Gemeinde ein Ort der Gemeinschaft, des Austausches oder der Hilfe (u. v. a.) sein kann. Das unterscheidet die heutige Generation der „jungen“ Alten von denen vor ein paar Jahrzehnten.

Ich kann den Umbruch jetzt beobachten. Kaum jemand rückt noch nach und füllt die entstehenden Lücken im Chor, zu den Gemeindenachmittagen, im Gottesdienst. Es ist tatsächlich eine veränderte Situation gegenüber vorherigen Generationen. Und diese Veränderung beginnt jetzt in der Kirchengemeinde zu wirken und wird sich wahrscheinlich in der kommenden Zeit noch verstärken. Natürlich weiß niemand wie sich die Zukunft entwickelt.

Aus meiner Sicht gibt es also für die Zukunft folgende Strategien:

  1. Arbeit mit Kindern und Jugendlichen als nachhaltige Gemeindeentwicklung (unabhängig von allen kurz- oder mittelfristig sichtbaren „Erfolgen“ in der Tätigkeit)
  2. Gemeindeentwicklung als langfristiges strategisches Arbeiten verstehen (über Generationen hinweg)
  3. Missionarische Arbeit als ein unverzichtbarer Bestandteil kirchlicher Arbeit

Ein weiteres Thema in diesem Kontext ist auf jeden Fall die Qualität unserer Angebote als Kirche. Viel hilft leider nicht viel. Gerade nicht wenn es um Gottesdienst geht. Aber das ein andermal.

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